Der Kaktus

Mit Deinen Stacheln schützt Du Dich.
Sie sind Dein Schild und Deine Lanze.
Was immer auf Dich wirkt, so fürchterlich,
prallt ab von Deinem Panzer.

Sie schützen stets Dein weiches Fleisch,
keiner eindringt in Dein Reich,
das Leben ist in Dich gebannt
und fließt nicht ab in Wüstensand.

Hast ganz allein das kostbar Naß,
das Leben spendet in der Glut.
Du hast es nicht im Übermaß,
doch überleben kannst Du gut.

Doch siehst Du auch am Horizont,
in der Oase viele Bäume,
pralles Leben in ihr wohnt,
scheinst fast zu spüren ihre Träume.

Sie teilen zwar den Lebenssaft
und scharen sich auf einem Flecken.
Doch kostet es sie keine Kraft,
einander stets mit Schatten decken.

Du blühst das Jahr mit voller Pracht
nur einmal, wenn er kommt, der Regen,
senkst dann Dein Schild mit Vorsicht, sacht,
um einmal Schwäche zu erleben.

Doch pflücken wird im Stachelkleid,
weil Du verletzt, Dich keine,
nur wenn zur Öffnung Du bereit,
wirst bleiben Du nicht mehr alleine.

Die Stacheln werden stumpf sodann,
vieleicht verlierst Du sie sogar,
und an die Stelle treten irgendwann,
viele Blüten wunderbar.

Sie werden locken dann das Leben,
zu Dir hin, ganz von allein,
viele werden zu Dir treten,
sich sehnend nach Zusammensein.


16. Juli 2002

zur Auswahl zurück